Kunstpreisträger 2022 zur Vernissage in der Sparkasse Gera-Greiz geehrt

Zur Vernissage zum 7. Eb-Dietzsch-Kunstpreis für Malerei konnte eine Vielzahl der nominierten Künstlerinnen und Künstler aus dem gesamten Bundesgebiet begrüßt werden. Mit großer Spannung verfolgten Sie die Reden vom Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Gera-Greiz, Dr. Hendik Ziegenbein, dem Schirmherrn der Veranstaltung, Oberbürgermeister Julian Vonarb und dem Vereinsvorsitzenden der Eberhard-Dietzsch-Kunstfreunde e.V., Dr. Matthias Hager.

Dr. Ziegenbein zeigte sich erfreut, dass nach einer vierjährigen, teils coronabedingten Pause der Kunstpreis in seiner 7. Auflage stattfinden konnte. Ihm sei besonders die Nachwuchsförderung wichtig. Die breite Vielfalt und Qualität der eingereichten Werke ist eine Bestätigung für das Engagement der Sparkasse. Oberbürgermeister Julian Vonarb bekräftigte nochmals die Wichtigkeit, beim Kunstpreis als Schirmherr zu agieren. Für ihn ist es eine Selbstverständlichkeit, bei einem derart renommierten Wettbewerb für die Stadt Gera zu werben. Beide Redner dankten dem Verein der Eberhard-Dietzsch-Kunstfreunde e.V. für das Engagement bei der Planung, Vorbereitung und Umsetzung des Wettbewerbs und der Ausstellung.

Vereinsvorsitzender Dr. Hager dankte wiederum den Sponsoren, besonders der Sparkasse Gera-Greiz und den vielen Unterstützern und Helfern, die zum Gelingen des Wettbewerbes beigetragen haben. „Ich freue mich, dass unserer Verein die Preisträger zum 7. Eb-Dietzsch-Kunstpreis jetzt ehren darf“, sagt Hager.

Die Jury unter Teilnahme von Prof. Thomas Müller, Tino Geiß, Franziska Junge, Dr. Claudia Tittel, Heike Dietzsch, Erhard Lemm, Matthias Hager und Dr. Hendrik Ziegenbein haben die folgenden Künstlerinnen und Künstler als Preisträger gekürt:

1. Platz: Vivian Eckstein

2. Platz: Maja Behrmann

3. Platz: Carl Hugo Hahn

Sonderpreis des Lions Clubs Gera: Chiara Hofmann

Franziska Junge begründet die Entscheidung der Jury für die drei Erstplatzierten in ihrer Laudatio wiefolgt:

„Wie allen fremden Dingen, haben wir uns den Bildern im Gespräch genähert und uns einen Zugang verschafft. Bei manchen scheint dieser auf den ersten Blick einfacher als bei anderen. Doch auch das kann lediglich eine Illusion sein, denn die Bilder sind vielschichtig und oft ist das Sichtbare nicht das einzig Erkennbare. Eb Dietzsch ist denjenigen, die ihn kannten, als belesener, seinem Gegenüber zugewandter, interessierter, phantasievoller Mensch mit offenem Geist in Erinnerung. Als Typ, der den Anderen die Kunst als Lebensmittel nahegebracht und sie in ihrer Beschäftigung damit immer ermuntert und bestärkt und sie dadurch bereichert hat. In unseren Gesprächen über die Arbeiten hat er dadurch hineingewirkt – als Namensgeber und Referenz des Preises. Wir denken, unsere Auswahl hätte ihm gefallen.“, so Franziska Junge.

Vivian Eckstein hat diese Szene in unverkrampft skizzenhafter Malweise eingefangen. Präsent und gleichzeitig ein wenig verhuscht wirkt der Körper der jungen Unbekannten, deren Gesicht auch unscharf bleibt. Das Bild macht dennoch einen geschlossenen, konzentrierten Eindruck – aktiv durch das leuchtende Rot im Hintergrund, das dem Bild etwas Ikonenhaftes gibt. Die Breite wie mit Malerei umgegangen werden kann und die Möglichkeit, tradierte Sujets im Hier und Jetzt zu bespielen zeigt sich in Dame auf Spiegelei von Vivian Eckstein, die an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe studiert hat. Die Arbeit trägt die Erzählung in sich, im Bild. Wir blicken auf eine Frau, die sich die Haare rasiert. Es ist ein intimer Moment, der mit Beiläufigkeit von großer Veränderung spricht. Die Rasur zeigt einen radikalen Schnitt, einen extremem Schritt, ein Statement. Wir sind Beobachter:in dieses Aktes, welches ein klassisches Genrebild, die Frau bei der Toilette, der Morgentoilette darstellt. Das Bild zitiert und wendet sich ab von der Tradition, indem es eine zeitgenössische, weibliche Position einnimmt. Die Malende ist eine Frau, das Objekt der Malerei ebenso. Beide haben sich emanzipiert und selbstermächtigt, wir können als Voyeure an diesem Prozess teilnehmen. Die Behauptung kommt durch die Hintertür, ist nicht penetrant didaktisch, dafür gespickt mit Humor. Der Titel Frau auf Spiegelei korrespondiert wunderbar mit dem Bild und die Frage, was zuerst da war – das Ei oder der Titel, lässt das – sonst übliche – Pathos nicht aufkommen. Frau auf Spiegelei kommt leise und unprätentiös daher und nimmt sich nicht zu ernst – uns als Betrachter:innen jedoch schon. Darin steckt Eb Dietzsch` Versuch, den „Leuten nichts vorzumachen“ und mit seinen Arbeiten die Betrachter:innen anzuregen „einige Sekunden nachzudenken – nach Möglichkeit über ihr Leben“.

Die Arbeit von Maja Behrmann, die an der HGB in Leipzig studiert hat, verwehrt sich dieser figurativen Erzählung. Ohne Titel lotet die Grenzen des Mediums Malerei aus und bespielt damit verschiedene Medien gleichzeitig – ist es ein Bild oder ein Objekt aus zwei Leinwänden. Das Bild fragt nach dem Bildhaften – sind es lediglich abstrakte Formen oder ist es eine Figur? Es bleibt ausschnitthaft. Die Oberfläche des linken Bildteils mutet dabei sehr glatt, fast schon unmalerisch an, spielt mit einfacher Symmetrie. und verwischt dabei die dreidimensionale Fläche. Farbe ist omnipräsent. Formen und Figuren treffen aufeinander und streben auseinander. Im rechten Bildteil wecken einzelne Details und die unterschiedliche Behandlung der Oberflächen das Interesse – doch das der Künstlerin scheint im großen Ganzen zu liegen. Ist es Kunst oder Design? Maja Behrmann spielt die Antworten auf diese Fragen durch und erweitert spielerisch, lustvoll, aufregend, ernsthaft und intelligent den Begriff der Malerei. Hier ist Malerei ein Impuls, der nicht abbildet sondern mit klassischen Mitteln vorführt, dass das Medium Malerei selbst Fokus der Gedanken ist. Wir bekommen eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten und eine Vielfalt von Assoziationen mit. Maja Behrmann nimmt uns Betrachter:innen „ernst und bürdet uns“, im Sinne von Eb Dietzsch „das Mitdenken auf“.

LoveLaneLoneliness von Carl Hugo Hahn, der an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig studiert hat, zeigt eine stilisierte Landschaft in warmen, stumpfen, erdigen Tönen. Es ist ein dystopisches Bild, das einen unwirtlichen Ort, verbrannte Natur zeigt. Steinig, düster und verlassen ist diese Welt, ohne Vegetation oder sichtbares Leben. Nur wer genau hinschaut, entdeckt in der Dunkelheit der abstrakten Felsenwüste ein unbekanntes Wesen, ein Tier? Der Fokus des Bildes liegt jedoch auf der strahlenden Leinwand, dem Autokino. Mit Blick auf den Titel lässt sich love, die Liebe auf dieser Projektionsfläche unscharf erkennen. Eine Straße, die lane, zieht sich durchs Bild. Ein kleiner Streifen Asphalt in einer monumentalen Natur, welche die Autos zu Fliegen macht, angelockt vom Licht einer Traumfabrik. Ein Zitat in übergroßen thronenden Lettern links oben im Bild, die in der Realität über und symbolbehaftet für Hollywood stehen. Doch die Schrift zeigt EXIT und erinnert an einen Notausgang, falls etwas Unerwartetes eintritt. Es ist ein Wegweiser in zeichnerischer Schärfe, ein Signal wie sich aus Illusion und Fiktion heraustreten lässt. Eb Dietzsch spricht von der „Lesbarkeit einer Arbeit, … die im Kunstwerk erkennbar, verständlich formuliert sein müsse“. In der Geschlossenheit der Arbeit von Carl Hugo Hahn findet dieser Anspruch einen düsteren Widerhall. Einen Lichtblick im Wortsinn gibt es am rechten Bildrand, dort verheißen die Strahlen von Autolichtern auf die Ankunft oder die Fortsetzung von Leben. Vielleicht ist nicht alles voll loneliness.

Chiara Hofmann aus Wünsch, „Cemani“ Eitempera und Öl auf Leinwand (Sonderpreis Lions Club Gera)

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